Deutsche Sportlotterie

Christian Keller und die magische Wirkung der fünf Ringe

Viermal war Christian Keller als Schwimmer bei den Olympischen Spielen dabei. 16 Jahre am Stück schwamm er für die deutsche Nationalmannschaft – bis heute hält der Essener damit den Rekord. 16 Jahre liegt inzwischen auch das Ende seiner aktiven Karriere zurück. Doch der Banker, der in einer großen Privatbank leitend tätig ist, sucht im Marathon und Triathlon den Wettkampf und bleibt seiner Sportart in anderer Funktion verbunden. Beim ZDF ist er Experte für das Schwimmen und wäre in diesem Jahr mit zu den Olympischen Spielen nach Tokio gereist.


Du wärst diesen Sommer als TV-Experte zu den Olympischen Spielen gereist. Wie sehr bedauerst Du die Absage?

Sehr. Dabei geht es mir vor allem um die Athleten, da ich aus eigener Erfahrung weiß, mit welcher Akribie und Euphorie sie sich vorbereitet haben. Eine Absage bzw. Verschiebung hat es in der Geschichte der Olympischen Spiele ja noch nie gegeben. Es sind auch viele andere Großereignisse verschoben oder abgesagt worden und das tut mir unglaublich leid für die Sportler. Natürlich bin auch ich persönlich als ZDF-Schwimmexperte sehr traurig. Ich war noch nie in Japan und wäre sehr gerne nach Tokio gereist, um von dort aus zu berichten. Umso größer ist die Hoffnung, dass Olympia nächstes Jahr stattfinden wird, damit sich das Warten für viele gelohnt hat.

Kannst Du Dir vorstellen, wie es sich für einen Sportler anfühlt, wenn man auf so ein großes Ziel wie die Olympischen Spiele hinarbeitet und dann von einem Tag auf den anderen dieses Ziel wegfällt?

Wie groß die Enttäuschung war, kann ich komplett nachempfinden, weil ich noch sehr enge persönliche Kontakte zu vielen Schwimmerinnen und Schwimmern habe, speziell hier in Essen. Nicht nur sämtliche trainingsmethodische, sondern auch viele ihrer organisatorischen Planungen waren auf 2020 ausgelegt. Rückenschwimmer Jan-Philipp Glania aus Fulda hat nun zum Beispiel seine Karriere beendet, weil er dieses Jahr anfängt, als Zahnmediziner zu arbeiten. Das kann er nicht mehr aufschieben. Ich kann ihn völlig verstehen, weil der Opportunitätsverlust für ihn relativ groß ist, wenn ihm ein Jahr im Berufsleben verloren geht. Die Situation ist unfassbar schwierig, auch für diejenigen, die ein duales Studium oder eine Ausbildung geplant haben. Für sie gilt es, das ganze neu zu justieren und aufeinander abzustimmen. Wenn man darüber hinaus weltweit schaut, wie die Infektionssituation in den USA ist, in Brasilien oder auch in Indien, hoffe ich sehr, dass sich die Athleten überall so gut auf die Spiele im kommenden Jahr vorbereiten können, dass ein Vergleich auf Augenhöhe gewährleistet ist.

Du hast als aktiver Schwimmer viermal an Olympischen Spielen teilgenommen. Was macht den besonderen Reiz von Olympia aus?

Olympia ist auf der ganzen Welt bekannt. Natürlich gibt es auch Weltmeisterschaften. Aber Olympia wird in allen 194 Ländern weltweit als DAS sportliche Highlight wahrgenommen. Wenn man die Chance hat, über 14 Tagen mit 10.000 Athleten in einem Dorf zu leben, mit Menschen unterschiedlicher Religion und Hautfarbe, ist das großartig. Die Sportfamilie kommt zusammen mit dem einen Ziel, sportliche Wettkämpfe zu erleben und die größte Sportparty der Welt zu feiern. Das ist das höchste Gut für einen jeden Athleten. Jeder Sportler hat das Ziel, einmal bei Olympia dabei zu sein, weil diese fünf Ringe eine magische Wirkung auf jeden haben.

Gab es für Dich „DEN“ Moment, den Du immer mit den Spielen verbinden wirst?

Das ist mein Medaillengewinn. Einmal auf dem Treppchen zu stehen, ist uns als Staffel zum Glück 1996 in Atlanta gelungen. Sogar der damalige US-Präsident Bill Clinton war an dem Tag mit in der Schwimmhalle. Ich weiß nicht, ob er bei der Siegerehrung noch vor Ort war, aber es war für uns damals eine riesige Geschichte, mit der Olympia-Hymne ins Stadion einzulaufen und dann auch noch auf dem Siegerpodest zu stehen. Das verbinde ich genauso mit Olympia wie das große Fest der Familie in Australien im Jahr 2000. Damals gab es noch kein 9/11, keine Angst vor Attentaten. Die Welt war frei und die Menschen haben sich tatsächlich auf die sportlichen Wettkämpfe gefreut. Unter der australischen Sonne waren das die Spiele mit dem größten Wohlfühl-Effekt und dem größten Enthusiasmus unter der Bevölkerung.

Was wünschst Du den Sportlern, die dieses Jahr mit der Olympia-Absage umgehen mussten?

Ich wünsche diesen Athleten, dass sie diesen Frust und diesen Durchhänger, den es bei Sportlern nur kurzzeitig gibt, wiederum in Motivation und Zielstrebigkeit auf 2021 ummünzen, um dann noch besser zu sein, weil sie noch ein Jahr mehr Zeit hatten für das Training.
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