Deutsche Sportlotterie

Andreas Niedrig: Es ist eine neue Welt

Andreas Niedrig, wie hat sich die Corona-Krise auf dein Leben ausgewirkt?

Es gibt einen schönen Spruch: „Das Leben passiert, während wir damit beschäftigt sind, etwas komplett anderes zu planen.“ Wie bei allen anderen Menschen war es bei mir auch so, dass ich ganz andere Dinge im Kopf hatte als Corona kam und wir plötzlich alle ausgebremst waren. In den ersten zwei Wochen des Lockdowns befand ich mich in einer Art Schockstarre. Obwohl ich bereits für den Ironman auf Hawaii im Oktober qualifiziert war, bezog sich diese Schockstarre jedoch gar nicht so sehr auf den Sport.

Welche Themen haben dich stattdessen beschäftigt?

Ich habe begonnen, vor allem mich selbst in Frage zu stellen – mit all meinen Themen wie Motivation, Zielsetzung, immer positiv zu denken, nie aufzugeben. Ich habe das in Bezug gesetzt mit der Situation da draußen, dass Menschen gestorben sind, dass Menschen im Krankenhaus alleine ohne ihre Lieben Zeit verbringen mussten oder auch dort alleine gestorben sind. Dass bei den Beerdigungen kaum jemand dabei sein durfte. Da dachte ich mir, dass das so schrecklich ist, dass ich in meinem eigenen Leben nicht so tun kann, als ob nichts wäre. Also habe ich mich gefragt, was ich selbst tun kann, um in der konkreten Situation etwas positiv zu beeinflussen.

Wie nimmst du in diesem Kontext deine eigene Rolle wahr?

Diese zu finden, hat viel mit Selbstbewusstsein zu tun, also mit dem Bewusstsein: Wer bin ich, wo stehe ich, welche Rolle habe ich in der Gesellschaft zu erfüllen? Wir haben es mit einer Krise zu tun, wie es schon viele Krisen gegeben hat, die die Menschheit erschüttert haben. Zwar kann man Krisen nicht eins zu eins miteinander vergleichen, aber die Wege aus diesen Situationen hinaus haben ähnliche Züge. Daher habe ich gemerkt, dass ich mit meiner eigenen Geschichte ganz viele Themen und Bereiche ansprechen kann, die die Menschen aktuell bewegen. Da geht es gar nicht um Gesundheit oder um Zielsetzung, sondern um das Wachrütteln von Urinstinkten wie Angst und Panik, vor allem bezüglich der Zukunft. Daraus lassen sich unzählige Themenbereiche ableiten.

Zum Beispiel?

Menschen, die sich plötzlich im Homeoffice befinden; Unternehmer bzw. Chefs, die gegenüber diesen Mitarbeitern Verantwortung und Aufgaben haben; Themen wie Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit. Viele dieser Bereiche passten einfach gut zu meiner Geschichte. Ich habe damals ja auch lernen müssen, aus meiner sehr negativen Situation etwas Positives zu machen. Es ging sehr stark um die Themen Eigenverantwortung und Selbstliebe in schwierigen Zeiten. Und diese lassen sich übertragen. Wenn die Corona-Krise als solche besteht, muss ich ja trotzdem in meinem eigenen kleinen Leben bestimmte Teilbereiche positiv zu belegen. Und diese Haltung galt und gilt es zu vermitteln.

Normalerweise füllst du große Hallen mit deinen Vorträgen. Wie hast du dich unter den veränderten Voraussetzungen aufgestellt?

Mit der Techniker Krankenkasse habe ich einen großen Kooperationspartner, der nach zwei, drei Wochen angefragt hat, ob ich mir vorstellen kann, meine Vorträge online als Webinare zu halten. Da ich Motivationscoach bin, der unter dem Motto „Willensschaffer“ arbeitet, habe ich spontan geantwortet: „Klar, das mache ich.“ Dann habe ich aufgelegt, mir wurde ganz schwindelig und ich habe gemerkt, dass ich mich mit meinen 53 Jahren in dieser digitalen Welt überhaupt nicht zu Hause fühle und gar keine Lust darauf hatte. Vielmehr hatte ich totale Panik vor dieser Technik, vor dem fehlenden sozialen Kontakt zu meinen Zuhörern.

Inwiefern?

Meine Stärke bei Vorträgen ist, dass ich intuitiv auf mein Publikum eingehen kann – ich gehe nicht stur nach Schema F vor, sondern kann schnell switchen. Daher hatte ich eine totale Angst, das online nicht zu schaffen, da ich durch dieses Medium ja gar kein Feedback der Zuhörer bekomme. Hinzu kam der Umgang mit der Technik – das musste ich alles selbst lernen. Außerdem hatte jedes Unternehmen bestimmte Vorlieben, mit welcher Software es arbeiten wollte. Es ging hin bis zu einer Institution, die aus Angst, gehackt zu werden, gar keine Software nutzen wollte. Dort habe ich meinen ersten Telefonvortrag gehalten (lacht).

Wie bist du mit deinem eigenen Respekt vor dieser neuen Situation umgegangen?

Egal, in welcher Situation man sich befindet – ob als Coach, Motivationstrainer oder Willensschaffer – man braucht jemanden an seiner Seite, der einen unterstützt. In meinem Fall ist das mein guter Freund und Mentor Heiner Renneberg. Gerade in der Situation, in der ich wirklich Panik hatte vor den Online-Vorträgen, in der ich mich gedanklich im Kreis gedreht habe, hat Heiner mich immer wieder eingefangen und mich dazu gebracht, mich wieder auf meine Stärken zu besinnen. Er hat mir zugehört, war extrem lösungsorientiert und hat mit mir auch ganz praktisch an Lösungen erarbeitet. Es ist unglaublich wichtig, eine Person zu haben, die in solchen Momenten da ist, die an einen glaubt und einen unterstützt. Auch ich brauche so jemanden. Man muss Hilfe zulassen, denn man ist immer nur so stark, wie das Team, das einen unterstützt. Da war Heiner ein ganz wichtiger Anker für mich.

Dort gibt es vermutlich noch weniger Rückmeldungen als online, weil du die Zuhörer nicht siehst…

Ganz genau. Auch da galt es ganz extrem, den inneren Schweinehund zu überwinden. Denn die Gedanken, die du vor solch einer ungewohnten Situation hast, sind einfach katastrophal. Doch im Nachhinein habe ich sehr positive Rückmeldungen erhalten. Die Teilnehmer waren begeistert. Auch sie hatten nicht geglaubt, dass man es schaffen kann, über das Telefon Bilder und Emotionen zu transportieren. Das sei jedoch gut gelungen. Das ist normalerweise die Rückmeldung, die du über das Strahlen in den Gesichtern bekommst, wenn du Präsenzvorträge hältst.

Wie transportierst du Bilder und Emotionen online?

Ich halte meine Online-Vorträge wie Präsenz-Vorträge und habe extra ein Büro gemietet, um diese lebendiger gestalten können. Das heißt, ich sitze nicht vor der Kamera, wie es viele machen. Ich stehe im Raum, gekleidet wie bei einem Präsenzvortrag, habe eine Messewand im Hintergrund aufgebaut, kann aber auch virtuelle Hintergründe einblenden. Ich achte sehr darauf, dass ich die Menschen direkt anschaue. Der nächste Schritt ist es, im Büro eine Kamera einzubauen, die mir folgt, damit ich mich noch etwas freier bewegen kann. Dann wirkt es noch etwas lebendiger. So muss man sich immer wieder Gedanken machen, um mit der Situation gut umzugehen. Es ist eine neue Welt, mit der wir uns alle beschäftigen müssen.
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