Deutsche Sportlotterie

Bewusst und dankbar ins neue Jahr

2020 hat allen Menschen viel abverlangt, aber auch einiges aufgezeigt. Im Interview mit der Deutschen Sportlotterie gewährt Gerald Asamoah einen Einblick, was ihn in diesem Jahr beschäftigt und bewege hat. Der 42-Jährige leitet inzwischen als Manager die Geschicke der U23 des FC Schalke 04.

Was hat Dich 2020 am meisten bewegt?

Das war die Black-Lives-Matter-Bewegung. Es war toll zu sehen, dass sich in Deutschland so viele Menschen angeschlossen haben. Und es haben sich auch immer mehr Menschen engagiert, die selbst nicht direkt betroffen sind, aber bereit waren, Betroffene zu Wort kommen zu lassen und ihre Perspektive anzuhören. Insofern kann man sicherlich davon sprechen, dass vielleicht sogar eine neue Ebene von Verständnis aufgekommen ist. Natürlich hat man insgesamt auch durch die lange Zeit der Corona-Pandemie gespürt, dass sich ein neues Bewusstsein für Zusammenhalt entwickelt. Das empfinde ich als sehr wichtig.


Hat die aktuelle Zeit Dich nachdenklicher gemacht bzw. bei Dir etwas verändert?

Ja, auf jeden Fall. Gesundheit hat für mich als Sportler mit einem angeborenen Herzfehler ohnehin einen hohen Stellenwert. Aber durch die Pandemie ist denke ich uns allen noch einmal mehr vor Augen geführt worden, wie wichtig Gesundheit ist. Auch wurden die Sinne noch einmal geschärft für Zusammenhalt und Rücksichtnahme auf sich selbst und andere Menschen. Gerade im durchaus schnelllebigen Fußball ist es wichtig, sich das immer wieder ins Gedächtnis zu rufen. Das werde ich auf jeden Fall für mich auch ins neue Jahr mitnehmen. Ebenso die Dankbarkeit für das, was wir aktuell haben, für das, was da ist.

Welche Auswirkungen hatte die Pandemie für Dich im „normalen“ Leben und welche im Fußball?

Im familiären Alltag hat sich Corona natürlich vor allem im Leben meiner Kinder bemerkbar gemacht. Auch hier gab es plötzlich Home-Schooling und einfach neue Abläufe. Aber ich denke, das haben wir insgesamt gut gemeistert. Im Beruf waren die Herausforderungen groß. Im ersten Lockdown wurde die Regionalliga-West abgebrochen und ich war mit Fragen konfrontiert, die nicht zu erwarten waren. Wie geht es weiter? Was ist mit den Verträgen der Spieler? Wie kann man planen. Als es dann wieder losging, hatten wir Corona-Fälle in unserer Mannschaft, mussten das Trainingslager verschieben, uns mit Infektionsketten und Quarantäne-Maßnahmen auseinandersetzen. Das war sicherlich nicht einfach, aber wir haben Lösungen gefunden. Und letztlich läuft die Saison für unsere U23-Mannschaft sehr ordentlich.

Hast Du Kontakt zu Sportlern, die in anderen Sportarten aktiv sind?

Nicht direkt, aber ich bekomme natürlich mit, dass es die anderen Sportler nicht leicht haben – man denke nur an die Verlegung der Olympischen Spiele ins kommende Jahr oder daran, dass viele ihren Sport gar nicht bzw. nur sehr eingeschränkt ausüben konnten. Da sind wir im (Profi-)Fußball sehr privilegiert und dafür bin ich dankbar.

Du hast eine Stiftung, mit der Du herzkranke Kinder unterstützt. Inwieweit hat euch Corona dort in der Arbeit beeinflusst?

Die Pandemie hat unsere ganzen Aktivitäten zunächst regelrecht ausgebremst. Wir realisieren lebenserhaltende Herzoperationen für Kinder aus dem Ausland, deren Familien sich die Operationen nicht leisten können. Diese kommen nach Deutschland und werden hier ärztlich versorgt. Durch Corona durfte aber lange Zeit niemand einreisen. Zudem waren Aktionen der Stiftung, die wir für Spender, aber auch für Familien herzkranker Kinder jedes Jahr veranstalten, gar nicht möglich. Im Oktober waren aber auf einmal Einreisen aus manchen Ländern möglich, sodass drei Kinder bereits operiert worden sind – von der Elfenbeinküste, aus Nigeria und Albanien. Darüber freuen wir uns sehr. Zwei weitere OPs konnten wir zusagen. Wir wissen es sehr zu schätzen, dass das alles nun wieder möglich ist.

Was wünschst Du Dir zu Weihnachten bzw. für das kommende Jahr?

In erster Linie wünsche ich mir Gesundheit für uns alle und dass wir die aktuelle Situation auf der ganzen Welt in den Griff bekommen. Aber ich wünsche mir eben auch, dass die Menschen aus dieser Zeit etwas mitnehmen und vielleicht etwas bewusster und dankbarer mit ihren Mitmenschen umgehen.
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