Deutsche Sportlotterie

Libbertz' EM-Kolumne Teil 1: Die Hartings

Ohne Kain und Abel

Es sollte der große Showdown werden: Das Diskus-Finale der Männer, oder besser gesagt der Kampf Kain gegen Abel in Gestalt von Robert und Christoph Harting. Zwei Brüder, zwei Olympiasieger, die im richtigen Leben kein Wort miteinander wechseln. Doch heute, wo die Leichtathletik-EM so richtig beginnt, an Tag 1, ist der Gipfel der Diskus-Giganten bereits geplatzt.

Christoph Harting verpasste völlig überraschend die Qualifikation fürs Finale. Drei ungültige Versuche hatten zunächst für ungläubige Blicke im Trainerteam gesorgt, anschließend sagte der Olympiasieger von Rio: „Ich kann es mir nicht erklären. Ich bin in top Form.“ Der Traum von einer weiteren Medaille - er verpuffte genauso wie die Hoffnungen einiger Voyeure auf den anstehenden Bruder-Krieg im Diskus-Ring.

Bruder Robert verfehlte zwar die geforderte Weite von 64 Metern in der Qualifikation, landete aber dennoch unter den besten zwölf Werfern seiner Gruppe und steht damit morgen Abend, 20.20 Uhr, im Berliner Olympiastadion im EM-Finale. Es werden die letzten Würfe für ihn sein auf internationalem Parkett, dort wo seine Karriere vor neun Jahren bei der WM so emotional begann. Der Superstar ist körperlich angeschlagen, die Medaillenchancen sind aber dennoch gestiegen. Große Gefühle zum Abschied garantiert.

Sein Bruder Christoph hingegen kann nur zuschauen, wenn er es denn überhaupt tut. Diskuswurf ist ein seltsamer Sport. Eine sehr trainingsintensive Disziplin, bei der es darum geht, über Jahre eine anderthalb Sekunden lange Bewegung einzustudieren, so lange, bis aus ihr ein abrufbarer Reflex geworden ist. Man muss so lange trainieren, bis man nicht mehr darüber nachdenkt, bis alles fließt. „Ich habe heute nicht zu Ende getanzt“, sagte Christoph noch nach seinem Ausscheiden.

Irgendwie scheint da das Schicksal mitgeworfen zu haben. Denn immer wieder haben beide Brüder in den letzten Monaten betont, dass sie ihren Eltern, einem ehemaligen Diskuswerfer und einer Kugelstoßerin, es nicht zumuten wollen, ihren Zwist so öffentlich auszutragen. Einen gemeinsamen Besuch im Aktuellen Sportstudio sagten sie im letzten Moment ab, Christoph saß dann im Studio, während sich Robert nach den Deutschen Meisterschaften aus Nürnberg zuschalten ließ. Sie hatten sich nichts zu sagen, das wurde deutlich, auch wenn man nicht so ganz verstand, wieso. Christop erklärte einmal im Spiegel: "Wir haben es lange versucht, es geht nicht. Es ist gut so, wie es jetzt ist. Jeder für sich. Robert sagt, dass er unsere Mama liebt und darum nicht redet. Er hat recht.“

Vielleicht ist es deshalb auch gut so, dass es nicht zum Aufeinandertreffen der beiden im Diskusring kommt, dass Robert die letzte Bühne für sich bekommt. Morgen Abend, im EM-Finale. Ohne Kain und Abel.
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