Deutsche Sportlotterie

"Vom Schockzustand erholen"

Carolin Schäfer (28), Vize-Weltmeisterin im Siebenkampf 2017, hat dreieinhalb Jahre auf die Olympischen Spiele hingearbeitet. Sie fühlte sich in „absoluter Topform“, doch seit sie aus dem Trainingslager von Südafrika zurückgekehrt ist, hat sich die Welt verändert.

Carolin, wie trainierst Du momentan?

Alternativ, ganz anders wie gewohnt. Stabi-Übungen mache ich in meinem Wohnzimmer, im Keller habe ich ein Watt-Bike stehen. Tempoläufe kann ich gegenwärtig noch an der frischen Luft machen, allerdings ganz alleine. Ziel ist es meine Fitness, die ich mir die letzten Monate, insbesondere im Trainingslager in Südafrika, hart erarbeitet habe, auf alternative Weise zu erhalten.

Ein Trainingslager, aus dem Du fast fluchtartig abreisen musstest…

Wir haben die beunruhigende Entwicklung der Corona-Pandemie natürlich auch dort verfolgt, allerdings haben sich dann die Ereignisse in Europa so dynamisch entwickelt und derart zugespitzt, dass das gesamte Trainingslager in Südafrika durch den Verband für alle frühzeitig abgebrochen wurde. In Südafrika selbst fand noch das normale Leben statt, in Restaurants und Geschäften, und als wir dann nach Deutschland kamen, hat uns die Dramatik regelrecht überrollt. Wir mussten uns erst einmal von einem regelrechten Schockzustand erholen.

Das IOC hat dann - wenn auch sehr spät - die Olympischen Spiele verschoben. Viele Athleten kritisierten die Begründung und den Zeitpunkt. Was war Dein erster Impuls, als Du hörtest, aus Tokio 2020 wird Tokio 2021?

Nun, es war ja eine logische Konsequenz. Aus meiner Sicht war es schwer begreiflich, wieso das IOC so lange daran festhalten wollte. Vor allem hatte ich bis zur finalen Entscheidung echte Gewissensbisse: Wir sollten uns trotz gesperrter Sportplätze und Sportanlagen noch angemessen und alternativ auf Olympische Spiele vorbereiten, nahezu unmöglich in Anbetracht der solidarischen Forderung sich zu Hause aufzuhalten. Es geht jetzt doch um Wichtigeres als um Sport. Ich war erleichtert, als wir endlich Klarheit hatten. Und trotzdem schlagen da als Sportlerin zwei Herzen in meiner Brust. Ich habe dreieinhalb Jahre auf dieses Ereignis hingearbeitet. Ich bin in absoluter Topform, mit meinem neuen Trainer-Team und meiner neuen Trainingsgruppe (unter anderem mit Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul, Anm. d. Red.) passt alles hervorragend, ich habe monatelang gelitten und konnte es nicht erwarten, mein Können unter Beweis zu stellen. Man hat so viel investiert - da ist es im ersten Moment schwer, diese Entscheidung emotional zuzuordnen. Aber sie ist natürlich richtig, überhaupt keine Frage.

Was bedeutet die Folgen der Corona-Pandemie für Dich persönlich auch wirtschaftlich?

Ich bin ja bei der Landespolizei Hessen in der Sportfördergruppe und Beamtin, dadurch plagen mich keine Existenzängste, wofür ich sehr, sehr dankbar bin. Aber ich sehe um mich herum, wie viele Menschen Einbußen hinnehmen müssen, ich mache mir Sorgen nicht nur um Sportler-Kollegen, sondern auch um die vielen kleinen Betriebe, die ums Überleben kämpfen. Aber auch im Sport trifft es viele härter, Durch abgesagte Meetings fehlen Startgelder und Prämienzuwendungen, die als Einnahmen wegfallen. Positiv bleibt aber hervorzuheben, dass wir Sportler weiterhin durch die Zuwendungen der Deutschen Sporthilfe unterstützt und gefördert werden. Es wäre toll, wenn weiterhin viele Menschen Lose der Deutschen Sportlotterie kaufen und damit auch uns Athleten unterstützen.

Was ist das Schwierigste für Dich an der aktuellen Ausgangsbeschränkung?

Ich bin ein positiver Mensch und zunächst einmal dankbar, dass mein Partner, meine Familie und ich gesund sind. Ich telefoniere sehr viel mit meinen Freunden und versuche die Zeit so sinnvoll wie möglich zu nutzen. Aber die soziale Gemeinschaft fehlt mir schon.

Wie geht es denn für Dich sportlich weiter?

Wir haben situationsbedingt einen allgemeinen Trainingsblock eingeschoben und warten ab, welche Meetings in diesem Jahr noch stattfinden könnten. Das Mehrkampfmeeting in Ratingen ist aktuell noch nicht abgesagt, das Weltklasse-Meeting im Mehrkampf-Mekka in Götzis hingegen schon. Die Leichtathletik-Europameisterschaften Ende August in Paris stehen auf dem Prüfstand. Es gibt noch einige kurzfristige Ziele, auf die wir in diesem Jahr noch blicken. Es bleibt abzuwarten wie sich die Gesamtsituation verändert. Wir werden versuchen, bestmöglich darauf zu reagieren.
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