Deutsche Sportlotterie

Erfolgreichster Kanu-Rennsportler im Interview

Ronald Rauhe: Jetzt erst recht!

Für Ronald Rauhe (38) sollten die Olympischen Spiele 2020 in Tokio der große Abschluss einer langen und titelreichen Karriere sein. Als fünfmaliger Olympiateilnehmer hat der erfolgreichste deutsche Kanu-Rennsportler bereits vier Medaillen (1x Gold, 1x Silber, 2x Bronze) mit nach Hause gebracht. Doch bedingt durch Covid-19 finden die Spiele nun ein Jahr später statt. Rauhe hat die Entscheidung getroffen, noch ein Jahr dranzuhängen. Doch diese war für den Welt- und Europameister gar nicht so einfach, wie er im Interview mit der Deutschen Sportlotterie verrät.

Ronald, wie hast Du die Nachricht über die Verlegung der Olympischen Spiele aufgenommen?

Diese Entscheidung war schon ein Schock für mich, auch wenn ich damit gerechnet hatte. Nach der Absage habe ich einige Wochen erst einmal gar nichts gemacht, das Paddel nicht angefasst und Zeit für mich gebraucht. Schließlich war meine gesamte Lebensplanung auf den letzten sportlichen Höhepunkt in Tokio ausgerichtet. Danach wollte ich mich ganz intensiv um meine Familie kümmern. Wir haben zwei Kinder im Kindergartenalter. Daher war es für mich bzw. für uns als Familie auch keine einfache Entscheidung, 2021 nochmal an den Start zu gehen.

Was waren da eure konkreten Überlegungen?

Zum einen ging es um den finanziellen Aspekt. Für mich ist es wichtig, dass meine Familie abgesichert ist. Dass ich meine Frau entlasten kann, wenn ich nicht zu Hause bin. Zum anderen ging es um das Zeitfenster. Der Tag des Finals in Tokio fällt auf den Tag der Einschulung meines Sohnes am 8. August 2021. Ich habe lange mit mir gekämpft, ob ich meinem Sohn das antue, nur um für mich ein Ziel zu erreichen, das ich schon mehrfach erreicht habe. Dafür lässt sich kein Kompromiss finden. Das muss ich in Kauf nehmen, um an den Olympischen Spielen teilzunehmen. Vor der Einschulung hatten wir zudem eine mehrmonatige Reise geplant, um uns nach den vielen Jahren im Leistungssport als Familie wieder aufzuladen.

Wie motivierst Du Dich, trotz dieser Entbehrungen noch einmal ein Jahr alles zu geben?

Was mich primär antreibt, ist meine große Leidenschaft für meinen Sport, die Motivation, über meine Grenzen zu gehen. Nach der Absage der Spiele habe ich zunächst einige Wochen gebraucht, um Energie und Mut zu sammeln. Dann habe ich mich aufgerappelt und mir neue Ziele gesetzt. Auch das hat einige Wochen gedauert. Und inzwischen sage ich mir einfach nur: Jetzt erst recht!

Wie hältst Du Deine Fitness noch ein weiteres Jahr auf höchstem Level?

Solange ich körperlich fit bin, fordere ich mich immer wieder selbst heraus und will mich verbessern. Das kann ich nicht ablegen. Natürlich weiß ich mit den Jahren auch etwas besser, wann mein Körper mal eine Pause braucht. Im Heimtraining mache ich familienbedingt deutlich weniger als früher, im Trainingslager gebe ich dafür umso mehr Gas. So gehe ich mit der aktuellen Situation um. Auf den kurzen Strecken bin ich noch immer der Schnellste in Deutschland und daran möchte ich mich auch im kommenden Jahr messen lassen. Natürlich haben wir in dieser Saison kein wirkliches Ziel mehr. Aber ich habe das ganz klare Ziel, nächstes Jahr Olympische Spiele zu fahren und zu gewinnen.
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